NIKOLAI  METTE
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Dipl.-Biologe

Untersuchungen zum Beutespektrum verschiedener Utricularia-Arten

Die Gattung Utricularia Linnaeus, 1753 (Wasserschlauch, Blasenkraut, Wasserhelm — Lentibulariaceae) ist mit zur Zeit etwa 215 beschriebenen Species die artenreichste der carnivoren Pflanzen. Mit Ausnahme der arktischen und antarktischen Gebiete findet man Arten der Gattung in allen Erdteilen.

Alle heimischen Arten leben submers in stehenden Süßgewässern („aquatische“ Lebensweise). Einige fluten zur Vegetationszeit unter der Wasseroberfläche (U. vulgaris, U. australis), andere sind im Schlamm verankert (U. minor). Im Herbst bilden sie Winterknospen, sogenannte Turionen, die auf den Grund absinken; im Frühjahr treiben sie wieder aus und steigen zur Oberfläche auf. Viele tropische Arten leben an sumpfigen, z. T. auch periodisch trockenfallenden Standorten („terrestrische“ Lebensweise), einige auch an der Borke von Bäumen, in Moospolstern oder in wassergefüllten Blatttrichtern, z. B. von Bromelien („epiphytische“ Lebensweise). Sie sind häufig einjährig und verbreiten sich über Samen.

Namensgebendes Merkmal der Gattung sind die Utrikel, Schläuche oder Blasen (lat. utriculus = kleiner Schlauch): besondere Organe, die aus Umwandlungen der Blätter entstanden sind. Sie sind von rundlich-sackförmiger Gestalt und haben an einem Ende eine von einer Klappe (Deckel, Tür) verschlossene Öffnung. Diese Blasen der Utricularien sind Fangorgane („Fallen“). Sie funktionieren mit Hilfe eines Saugmechanismus': Fangbereite Blasen haben konkave, nach innen gewölbte Seitenwände; während des Beutefangs wölben sie sich blitzartig nach außen. Erst im Verlauf mehrerer Minuten oder Stunden stellt sich dann wieder die konkave Form ein. Das Berühren feiner Sinneshaare (“trigger hairs”) auf dem Deckel der Blase, z. B. durch ein Beutetier, fungiert als Auslöser für den Fangvorgang. Es bewirkt, daß sich die Klappe blitzartig nach innen öffnet. Die Wände der Blase können sich nun entspannen und wölben sich wieder konvex nach außen. Dabei entsteht ein Sog, der die Beute ins Innere der Falle befördert, wo sie verdaut wird. (Genaugenommen handelt es sich also nicht nur um Fang- sondern auch Verdauungsorgane.)

Abb. 1: Fangblase mit /Floscularia/ -- M4-4_500.jpg (38 kB)

Abb. 1: Eine Fangblase von Utricularia macrorhiza, besetzt mit Wohnröhren von sessilen Rädertierchen der Gattung Floscularia.

Deko: Hüpferling /Diaptomus/

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Teile der Untersuchung wurden veröffentlicht unter dem Titel Food Composition of Aquatic Bladderworts (Utricularia, Lentibulariaceae) in Various Habitats („Über das Beutespektrum aquatischer Utricularia-Arten in verschiedenen Biotopen“) in „Beiträge zur Biologie der Pflanzen“ 72, (2000), 1—13.

Hier die Zusammenfassung:

Bisher haben sich nur wenige Autoren mit den Beutetieren der carnivoren Pflanzengattung Utricularia L. beschäftigt. In dieser Studie wurden 144 Fangschläuche von 3 Arten (U. australis, U. vulgaris und U. macrorhiza) aus 5 mitteleuropäischen Biotopen (Westdeutschland) untersucht. Die Beute wurde bestimmt und gezählt. Um die Herkunft der Beute zu ermitteln, untersuchten wir parallel dazu den die Pflanzenoberfläche besiedelnden sessilen und vagilen Aufwuchs (Periphyton) sowie das Plankton aus den Lebensräumen
Die meisten Fangblasen waren mit Beute gefüllt. Diese unterschied sich in Art und Anzahl entsprechend den Herkunftsgewässern. Aquatische Utricularia-Arten haben ein weitgefächertes, bemerkenswerterweise aus dem Aufwuchs der Pflanzen stammendes Nahrungsspektrum aus Cyclopiden, Cladoceren, Ostracoden und Rotatorien sowie auch im Aufwuchs lebende Insektenlarven und autotrophe Kleinlebewesen.
Typische Planktonorganismen aus dem Pelagial werden dagegen nicht gefangen.

Hier der vollständige Artikel in der originalen englischsprachigen Version. Eine deutsche Version befindet sich in Vorbereitung.

Abb. 2.: /Lecane/ spec. -- Lecane.jpg (18 kB)

Abb. 2.: Ein Rädertier der Gattung Lecane aus einer Utricularia-Falle.

Die — entweder aus Gewächshäusern im Botanischen Garten stammenden oder in konservierter Form aus Westafrika mitgebrachten — untersuchten tropischen Exemplare brachten mangels kaum oder gar nicht gefüllter Fangblasen keine Ergebnisse. Diesbezüglich laufen zur Zeit neue Untersuchungen in Zusammenarbeit mit dem -> Botanischen Institut der Universität Bonn.

Deko: Hüpferling /Cyclops/

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